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So kommt die Jungfrau zum Gastkind und Köln zu einem neuen Jeck

Wir waren in unserem gesamten Elternleben nie zuvor mit der Aufnahme eines Gastkindes konfrontiert worden. Und nun ein halbes Jahr nach Gabriels Ankunft graut es mir und meiner Familie bereits vor seinem Abreisetag.

Meine Laufpartnerin sprach mich bei einem unserer Fitnessläufe im Frühjahr 2016 an, ob ich mir vorstellen könnte, einem Gastkind aus Kolumbien Obdach zu gewähren. Sie selbst war auch schon des Öfteren Gastmutter, konnte aber dieses eine Mal kein Kind aufnehmen, da ihr eine stressige Zeit bevorstand. Dieses Gastkind wäre ein 15-jähriger Junge, der gerne Fußball und Golf spiele und die deutsche Sprache seit vielen Jahren spräche, da er deutscher Abstammung sei und seine ganze Schulzeit auf einer deutschen Schule verbracht habe.

Mit diesen Informationen bewaffnet lief ich dann nach Hause. Am Abend besprach ich das Thema zunächst mit meinem Ehemann und wir waren uns schnell einig, dass wir uns gut vorstellen könnten, ein Gastkind aufzunehmen. Die nächste Hürde waren unsere vier Kinder. Da unser jüngster Sohn, ebenfalls 15, den Löwenanteil diese Unternehmung übernehmen würde, sprachen wir zuerst mit ihm. Er stand dem Vorhaben anfänglich skeptisch gegenüber, aber nach vielen Gesprächen unter Abwägung der Vor- und Nachteile, entschlossen wir uns dann im ganzen Familienrat, diesem Unternehmen zuzustimmen.

Wir waren in unserem gesamten Eltern- und Schulleben nie zuvor mit der Aufnahme eines Gastkindes oder Austauschschülers konfrontiert worden ... und so kam die Jungfrau zum Kind, zum Gastkind.
Am 28. August 2016 reiste unser Gastkind Gabriel aus Kolumbien an. Wir waren alle so aufgeregt: Wie wird dieser junge Mensch wohl sein? Wird er uns nett finden? Kommen wir alle klar miteinander? Was bedeutet das für unsere Familie? Was machen wir, wenn sich Heimweh einstellt? Wie gehen wir mit Konflikten um? Kommen wir mit einer anderen Kultur klar…? Fragen über Fragen!

Heute, im Januar 2017, ist die Hälfte der Zeit schon verstrichen. Wir haben in der Zwischenzeit viel erlebt. Zunächst unser gemeinsamer Familienurlaub nach Andalusien, mit einem eigenen Dolmetscher...!!! Das war vielleicht ein Luxus!!! Gabriel regelte für uns alle mit Sprachbarrieren behafteten Dinge, wie zum Beispiel die kniffligen Essensbestellungen im Restaurant, Gespräche mit der spanischen Sicherheitsfirma, da wir versehentlich die Alarmanlage des Ferienhauses mitten in der Nacht zum Einsatz gebracht hatten usw. Dieser Urlaub hat uns zu einer großen Familie zusammenwachsen lassen. Dann kam die Weihnachtszeit und jeder weiß, dass in dieser Zeit die Gefühle Kapriolen schlagen können. Aber wir warteten vergebens auf eventuelle Gefühlswallungen. Die Weihnachtszeit verlief sehr ruhig und harmonisch im Kreise der großen Familie: Oma und Opa, Jonas, Paul und Daniela, unsere Kinder. Gabriel, so nehme ich an, fühlte sich als unser neues Familienmitglied inmitten der ganzen Menschen sehr wohl und wir fühlten uns mit ihm wohl während dieser so besinnlichen Zeit. Nun steht bei uns die Karnevalszeit in den Startlöchern.

Wir als Kölner Familie sind eingefleischte Karnevalisten. Ich bin mal gespannt auf die staunenden Augen Gabriels. Ich glaube, er wird seinen Augen nicht trauen, so viele maskiert und verrückte Menschen auf einen Haufen ... Köln ist ja auch die Hochburg des Karnevals!!



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Und so feierten wir dann Karneval ...
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Im April reisen wir zudem noch einmal zusammen nach Spanien. Gabriel spielt gemeinsam mit meinem Sohn in der Fußballmannschaft in unserem Ort und sie werden in Barcelona an einem internationalen Turnier teilnehmen.

Das Resümee dieser wunderbaren Unternehmung Gastkind lautet: Die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Leider konnten wir nicht alles unternehmen, was wir uns vorgenommen hatten, denn der Alltag mit Schule und Beruf zollt seinen Tribut. Wir sind sehr froh, Gabriel und auch seine Familie - wenn bisher auch nur über das Internet - zu kennen. Es ist eine interessante und wichtige Erfahrung mit einem jungen Menschen aus einer anderen Kultur zu leben. Wir haben viel voneinander gelernt und mir und meiner Familie graut es jetzt schon vor dem Abreisetag unseres Gastkindes im Juni dieses Jahres.

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